von Rührung, Tränen, Ruhe und Entendreck

Mein Secondyear und Ich
Mein Secondyear und Ich

Letztes Wochenende war es so weit: die Secondyears feierten Graduation und zogen aus. Noch am Freitag wurden die letzen Examen geschrieben, Musik, Kunst und Spanisch ab initio. Es war eine merkwürdige Zeit, zwischen gepackten Koffern und gestressten Secondyears. Manche scheinen in den ganzen zwei Wochen ihre Pyjamahose nicht ausgezogen zu haben. Aber das ist O.K. Es sind die abschließenden Examen, die im IB fast alles zählen, da muss man sich nicht hübsch machen. Dafür war Samstag Morgen genug Zeit.

Wir Firstyears hatten für die Secondyears einen Song geprobt, der aus drei Liedern zusammengebastelt war. Es ist ganz schön schwer so etwas zu proben und gleichzeitig geheim zu halten! Aber wir haben es ganz gut geschafft.

Die Feier fand in einer nahegelegenen Turnhalle statt. Alle hatten sich herausgeputzt und am Anfang strahlten wir auch alle noch. Die Familien waren da, die meisten hatten sich in die Reihen gesetzt, während wir Schüler durcheinander wuselten um hier vorbeizuschauen, dort jemanden zu umarmen und dann noch ein Bild zu machen. Erinnerungen auszutauschen, zusammen ein letztes Mal zu lachen. Peters Rede ging, meiner Meinung nach, am Thema vorbei, aber was soll's. Colin hat einen guten Job getan, auch die Rede der Secondyears war klasse. Unser Song kam gut an und als am Ende einer der secondyears zu seinem Firsty stürmte gab es kein Halten mehr. Die Eltern kamen bei der ganzen Zeremonie ein wenig kurz, aber, hey, die haben die Secondyears jetzt den ganzen Sommer über. Wobei, nein, haben sie nicht... wenn ich an die Reisepläne denke... Es muss komisch sein, seinen Schulabschluss zu feiern ohne seine Ergebnisse zu kennen. Das hatte auch zur Folge, dass es kein Gerede vom "Jahrgangsbesten" etc. gab.

Nach dem offizellen Teil fing das geweine an. Zu der Zeit, zu der Ich und viele andere zum Campus zurück kamen war das Kuchenbuffet restlos leer geputz. Die schnelleren Eltern haben sich nicht zurück gehalten. Besonders ärgerlich war das für Secondyears, die das ihren Verwanten, aus der ganzen Welt angereist,  erklären mussten.

Am Sonntag bis eins sollte der Camps Secondyearfrei sein. Natürlich war er es nicht. Manche, wie Paulina haben am Sonntag noch gepackt. Es war ein Stundenlanges Abschied nehmen. Endlose Tränen flossen den Secondyears hinterher, als sie sich dann schließlich doch in Richtung Ausgang bewegten. Und wieder waren kaum Eltern involviert...

Firsties schien der Abschied schwerer zu fallen, aber wir hatten und haben ja immer noch "uns", unseren Jahrgang.

Die Secondyears waren weg, Kisten mit Papiermüll, alte Klamotten, Stifte und Harspangen und was nicht alles blieb zurück. Wir mussten dann erstmal sortieren und haufenweise Müllsäcke tragen. Die zurückgelassenen Anziehsachen gingen gewaschen in Säcken zur Heilsarmee. Ja, die gibt es immer noch und ja, die machen ihre Sache in den Niederlanden auch ganz gut.

Nachdem sie und ihr Müll weg waren wurde es still im Boarding house.

Nur noch zu zweit im Zimmer war erstmal Veränderung angesagt. Abi und ich bezogen beide jeweils ein ganzes Hochbett. Dann schoben wir die Locker herrum. Jetzt haben wir eine Abi-Ecke und eine Fiona-Ecke mit Commonroom. Ich habe mir am unteren Bett eine kleine Höhle gebaut. Es ist schön, sehr schön! Die neue Aufteilung gefällt mir ausgesprochen gut. Ich mag noch gar nicht daran denken, dass wir das Zimmer in der Group4 Woche mit Daystudents teilen müssen, die für eine Woche im Boarding house einziehen werden. Das wird noch mal interessant. Grundsätzlich finde ich die Idee aber echt gut.

 

Der Exam stundenplan ist mit nur einem Tag Verspätung publiziert worden und ich habe es eigentlich ganz gut getroffen. Bis auf Bio und Geschichte an einem Tag...

Es ist schon eine ganze menge, das wir für die Examen wissen müssen. Bio finde ich besonderes anstrengend, weil es so viel auswendiglernen ist, das kann ich nicht so gut. Geschichte geht, vieles ist mir schon bekannt, aber die Mittlerer Osten Themen habe ich vorher noch nie behandelt. Mathe läuft ganz gut. Bei Englisch ist eine stetige Verbesserung sichtbar, Deutsch kein Problem. Geo, naja, gemischte Gefühle.

 

Ich weiß noch nicht, wie ich den älteren Herrschaften sagen soll, dass ich nächstes Jahr nicht mehr kommen werde. Es war ein wirklich schöner Service, insbesondere zu Ende hin, als die Älteren offener wurden und erzählt haben. Sicherlich war es auch deshalb besser, weil meine Niederländischkenntnisse zunahmen. Es wird den Service auch nächstes Jahr wieder geben und ich hoffe, dass sich netter Firsties dafür finden. Books4life, mein neuer Service, ein Buchlanden, der gespendete Secondhand Bücher verkauft und das Geld spendet gefällt mir ganz gut. Die Organisation mag mir eher suspect sein, mein Service ist schön. Bücher bepreisen, sortieren, verkaufen, lesen. Schön.

 

Das Jahrbuch müsste jetzt bei der Druckerei in der Warteschlange liegen. Wir haben es geschafft. Nicht immer so, wie ich es mir gewünscht hätte, aber doch mehr, als befürchtet. Es ist ein Wunder, dass wir soweit gekommen sind. Eine Person aus der fünfköpfigen Gruppe musste in der heißen Phase weg, zu einer Beerdigung. Ein anderes der Mitglieder hat schlichtweg nichts bis wenig getan und der Rest hatte keine Ahnung von Mircrosoft Office Publisher. Mein Wissen war ja schon recht beschränkt, aber was ich dort gesehen habe... Naja, ich habe noch viel neues lernen können und auch müssen, denn irgendeiner musste es ja machen, nicht war. Ich hoffe, das das Ergebniss jetzt auch O.K. ist.

 

An der Uni habe ich als Gasthörer eine Lektion aus dem Bereich forensische Psychologie über das Gedächtnis gehört. Es war sehr interessant. Nicht unbedingt bahnbrechend, aber für mich interessant. Dinge über die ich so noch nicht nachgedacht hatte. Vielleicht hätte ich es irgendwann, aber so war es gut. Das könnte was für mich sein, zu Studieren und arbeiten. Mal sehn.

 

Eine LiPunChun Alumni ist im Moment zu Besuch. In Maastricht findet eine Konferenz satt, an der sie teilnimmt, und natürlich schut sie bei uns vorbei. Sie arbeitet als Theatertreapistin. Theaterterapie scheint ähnlich wie Kunstterapie zu funktionieren und es war sehr bereichernt sie kennen zu lernen. Ihre Arbeit in einer Schule im Problembereich einer großen Stadt scheint mir wirkungsvoll und sinnvoll zu sein. Wie sollen die Kinder lernen und sich konzentrienen, wenn am Vortag ihr Vater von gegnerischen Bandenmitgliedern erschossen wurde oder ihre ältere Schwester oder gar sie selber auf dem Weg zum Supermarkt missbraucht wurden? Das geht nicht und das aufzuarbeiten können die Lehrer nicht leisten. Es war beeindruckend zu hören, wie sie das Problem mit Gefühl und Verstand angehen. Z.B. uss rechtlich jede Kindesmisshandlung und sexueller Missbrauch berichtet werden. Dann gibt es lange Verfahren um festzustellen, ob die Taten noch immer stattfinden. Normalerweise werden die Kinder dann an genau die Leute verwisen, die soweiso schon mit ihnen arbeiten. Völliger Schwachsinn, sagt die Aluma, wir haben die Kinder ja schon da, in einer Vertauenssituation. Die zerstören wir, wenn die Behörden eingeschaltet werden. Also berichten sie nicht, wenn die Taten in der Vergangenheit stattgefunden haben, aber nicht merh stattfinden und halfen lieber direkt den Opfern. Ich finde das sehr mutig. Manche der Gesetzte haben dazu geführt, dass die Lehrer, wenn sie etwas wie misshandlung vermuten, nicht merh nachfragen und die Kinder zu sprechen auffordern, um es nicht melden zu müssen. Das ist absurd und sicher nict, was die Gesetze bewirken sollten!

Für meine Roomie Abi war es ganz besonders gut die Aluma zu treffen. Im Moment ist ihr Plan in den Bereich der Kunsterapie einzusteigen und jetzt kann sie erste Kontakte knüpfen.

 

Die Enten und Schwanenbabys wachsen und scheißen den gnazen Campus voll... Aber sie sehen nach wie vor süß aus, also sei es ihnen verziehen. In meinem Zimmer wird gerade Dirty Dancing geschaut.

 

Und damit beende ich dann auch diesen endlosen Blogeintrag und gehe lieber mit kuken. :)

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Kommentare: 4
  • #1

    Nele (Mittwoch, 04 Juni 2014 19:40)

    "Alles Alte, soweit es den Anspruch darauf verdient hat,
    sollen wir lieben,
    aber für das Neue sollen wir eigentlich leben."
    Theodor Fontane
    Ich wünsche dir ein weiteres ganz tolles Schuljahr und eine schöne Zeit in Indien :)

  • #2

    adele Myrddin (Samstag, 07 Juni 2014 12:19)

    Da, bitte schön, ein Kommentar:
    Öhm... Äh.... Naja , schön dass du jetzt mehr Platz hast (oder hattest).

  • #3

    fiona (Samstag, 07 Juni 2014 20:05)

    Amelie,
    du bist echt unmöglich.
    Aber ich mag dich trotzdem (oder gerade deswegen?).
    Ja, mehr Platz ist toll!

  • #4

    doris (Montag, 09 Juni 2014 19:29)

    Hej Fiona,
    es ist schön zu wissen, dass es immer noch eine Rangordnung gibt. Die gab es schon früher. Und die wird es auch immer geben. Ihr habt es euch ja richtig gemütlich gemacht.
    Ja Fiona! Wie heißt es so schön: Jetzt bist du die Große! Wo ist das Jahr hin? Was machen deine Pläne? Welche Veränderungen hat es gegeben. Die Forensik könnte dein Thema werden.
    Oder ist das schon nicht mehr aktuell?!
    Manchmal geht das bei euch ja recht zügig.
    Falls du es von deinen Eltern noch nicht gehört hattest. Ich war ziemlich krank. Und freue mich jeden Tag, dass es mir besser geht. Auch wir schmieden Pläne damit wir die "böse" Zeit vergessen können. Also segeln auf der Förde; Maastricht, Papenburg - alles tolle Sachen.
    In diesem Sinne wünsche ich dir die Gelassenheit, alles so zu machen, wie du es dir vorstellst.
    Ach, ehe ich es vergesse: Frohe Pfingsten.
    Liebe Grüße aus Laatzen sendet DoSi
    Und auch KaSi