Aischylos, Mocks und alles Andere

Die Mock exams sind vorbei. Heute habe ich die letzte Arbeit geschrieben. Jetzt heißt es abwarten.

Seit ich das letzte Mal geschrieben habe ist wieder viel passiert. Zunächst war da das letzte Probenwochenende vor den Aufführungen, mit Kostümprobe und dem Durchgehen des genauen Ablaufs. Es war der Feinschliff an allem, was wir in den Probenwochenenden davor erarbeitet haben.

Exams am Morgen, dann schnell mit dem Fahrrad zum Bus und mit dem Bus zur jeweiligen Schule an der wir auftreten sollten. Die letzte Probe und die erste Aufführung war in Weert. Zur Premiere ist auch unsere betreuender Lehrer de Kaizer mitgekommen. Gemacht hat er ja nicht viel, aber begeistert war er dafür umso mehr. WIr "Schauspieler" haben in dieser Wochen Abends zusammen gegessen, zusammen gesessen, gelacht und natürlich Theater gespielt. Es ist fantastisch wie nahe man sich bei so was kennen lernt. Irgendwie hat mich diese Woche sehr an das Ideal von UWC erinnert. Die Idee junge Menschen zusammen zu bringen, ihnen eine gemeinsame Aufgabe zu geben und dadurch ganz nebenbei Verständnis und Zusammenhalt über Grenzen hinweg zu entwickeln. Diejenigen die das Aischylos Projekt damals gestartet haben hatten das auch erkannt. Und gerade hier, wo die Länder so dicht bei einander liegen ist Verständnis und Zusammenhalt besonders wichtig.

Am ersten Abend gab es typisch niederländisches Essen: belegte Brote und Suppe. Später in der Woche gab es Pizza und bei uns schließlich Mensa-essen. Natürlich lief nicht alles perfekt, weder beim ersten noch beim zweiten Auftritt, aber die Professionalität mit der alle Beteiligten an die Sache ran gegangen sind hat mich beeindruckt und war meines Erachtens auch Schlüssel zum Erfolg. Wegen dem Bühnenlicht mussten alle sich schminken, zumindest ein bisschen, um auf der Bühne nicht wie ein Geist auszusehen. Zunächstmal habe ich damit überhaupt nicht gerechnet gehabt und dann ist es nun mal auch nicht meine Lieblingsbeschäftigung. :( Beim ersten Mal wars noch ganz schön hart, aber später wurde es besser. Wer Schauspieler sein will...

Im Laufe der Woche bildete sich dann eine art Routine raus und natürlich auch insider-witze. Insbesondere mit "Elektra" hatte ich viel Spaß. Wir haben uns gut verstanden und ihre Rolle bot auch genug Möglichkeiten zusammen zu lachen. Es stellte sich dann irgendwann heraus, dass zumindest "Orestes" doch ganz gut englisch konnte und nicht nur Französisch sprach und so konnten wir uns dann tatsächlich unterhalten. Vielleicht ist er einfach seine selbstgewählte oder Gruppenzwangmäßig geforderte "Französische-Isolierung" satt geworden. Jedenfalls machte er den Mund auf und beteiligte sich. Eines dieser Dinge, die ich am Anfang nicht für möglich gehalten hätte.

Ich bin stolz auf meine UWC Mitspieler, denn anders als die anderen Schulen war UWC nicht ganz so zuvorkommend was das Versäumen von Schulstoff anging. Ich hatte ja Mocks, war also relativ flexibel, aber die Firstyears hatten echt Mühe akademisches und soziales/Theater unter einen Hut zu bringen.

Am Freitag haben wir dann hier bei uns auf dem Campus das Stück aufgeführt. Da UWC ein kleines Mysterium in der Welt der anderen Schulen war, habe ich erstmal Campusführungen gegeben. Insbesondere unsere Boarding houses waren natürlich von großem Interesse. Die Schule hat sich schon echt Mühe gegeben alles zu organisieren, aber die Details hingen natürlich in der Luft. Ich habe dann also die Gruppe zur Mensa gebracht und auch noch unsere Mülltrennungsregeln erklärt. In der kleinen Turnhalle haben wir unsere Schminkstationen aufgebaut und im Atrium herrschte Sjeng. Er ist wirklich ein toller stage director und ein Mensch, den ich nur respektieren kann. Mit wie viel Freude, Energie und Liebe er an das Projekt ran gegangen ist ist fantastisch. Er kann sich durchsetzen und gleichzeitig respektvoll und wertschätzend mit Menschen umgehen, das hat man nicht oft. Wie Sabine hat er die Gabe die richtigen Menschen für dir richtigen Aufgaben zu finden und weiß was er wann zu wem sagen muss.

Es fiel mir am Ende unerwartet schwer alle anderen gehen zu lassen. Für viele war es ein bis nächstes Jahr, aber ich wusste, dass es für mich kein nächstes Jahr geben wird. Nicht von den USA oder Deutschland aus, nicht ohne am UWC zu sein. Vielleicht ist das auch gut so, aber es machte den Abschied von diesen tollen Menschen nicht leichter.

 

Das Ergebnis konnte sich jedenfalls sehen lassen und ich bin stolz auf die gesamte Gruppe. Die Bilder sind von der Aufführung in Maastricht. Viel Spaß!


Nun war Theater ein wichtiger Teil der letzten Zeit, aber nicht alles. Zum Bespiel finde ich dass der World-Hijab-day hier auf meinem Blog nicht fehlen sollte.

Leider konnte ich wegen des Theaters nicht so daran teilhaben, wie ich es gerne gewollt hätte, aber die Aktion war bei uns auf dem Campus ziemlich wichtig. Inwieweit es vertretbar ist einen Hijab zu tragen, ohne an die Hintergründe zu glauben ist eine Frage, die ich jetzt nicht stellen möchte. Lieber lobe ich Sara, die einen guten Vortrag über die Bedeutung des Hijab allgemein und für sie gehalten hat. Man konnte sehen, dass ihr das Thema wichtig war und das sie ziemlich aufgeregt war.

Ansonsten habe ich ein paar gute Bücher gelesen. "Invention of Wings", dass ich sozusagen noch vom Patencafe hatte (es würde dir gefallen, DoSi, da bin ich mir sicher) in dem es um Freiheit und Gleichberechtigung geht. Hauptfiguren sind zwei Frauen, die eine ist die Sklavin der anderen, und ich bewundere insbesondere die

Feinfühligkeit der Erzählerfigur trotz all ihrer Härte. Frauenrechte, Menschenrechte und die Frage was wichtig ist.

"The reluctant Fundamentalist" bekommt hier auch schon eine Leseempfehlung, obwohl oder gerade weil ich es noch nicht durch habe. Die Erzählweise ist einzigartig und die Geschichte ist auf merkwürdige Weise berührend.


Es ist immer schön sich mit Menschen zu unterhalten, die vernünftig sind, die einem tatsächlich zuhören. Es ist genauso schon sich mit Menschen über Gott und die Welt zu unterhalten, denen ehrlich etwas daran liegt. Es sind diese Menschen, die UWC zu so etwas besonderem machen.

An alle, die jetzt oder demnächst zum Auswahlwochenende aufbrechen: ich wünsche euch viel Spaß und dass ihr tolle Menschen kennen lernt. Und natürlich drücke ich euch die Daumen, dass es so läuft wie ihr hofft und ihr angenommen werdet. Und auch, wenn ihr das jetzt nicht hören wollt, wenn nicht, naja, da geht die Welt in den allermeisten Fällen nicht von unter. Ich weiß, ich hab gut reden ;) aber deshalb ist es nicht minder wahr. Toi, toi, toi!


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