Sommerempfang und "Nach-UWC-Gedanken"

Schon vor einer Weile hat der diesjährige Sommerempfang der deutschen Stiftung UWC stattgefunden. Zeitlich bevor die Ergebnisse der IB Examen abrufbar waren. (Ich habe bestanden.) Eine Handvoll meiner Co-years sind gekommen und wir konnten uns über die Schule, das IB, die Examen und was jetzt so kommen soll austauschen. Es gab gute Musik, wenn auch nicht ganz mein Geschmack, etwas zu Essen und Reden. Arzu und Hajk haben die Rede für unseren Jahrgang gehalten, mit viel Humor und Schwung. Ich habe mich insbesondere mit Annemarie (AC) unterhalten. Wir hatten beide Bio und Deutsch Literatur und somit jede Menge Gesprächsstoff. Auch einige der "Zeros" (die nach den Sommerferien an den Colleges starten) waren mit von der Partie. Fabian, der Zeroyear für China hat die Rede seines Jahrgangs gehalten. Als roten Faden nahm er ein Wasserloch, in das er und die anderen jetzt springen, ohne zu wissen, was sie erwartet und ob sie schwimmen können. Meine Aufgabe in China wird sein dafür zu sorgen, dass sich in dem Loch keine Haie tümeln oder diese zumindest Maulkörbe tragen. Vielleicht auch den ein oder anderen ein bisschen zu stupsen und wieder andere etwas hinausziehen.


Nach einiger Zeit "weg von UWC" kommt in mir die Erkenntnis, dass UWC doch eine etwas andere Welt ist. Ich weiß nicht welche "Welt" realistischer ist, die "UWC-Welt" oder die "Nicht-UWC-Welt". Wahrscheinlich keine von Beiden. Trotzdem wird mir im Moment, manchmal schmerzlich, bewusst, dass UWC "anders" war. Offener, weiter, aufnahmebereiter, reflektierter? Ich kann es gar nicht wirklich beschreiben, will eigentlich auch nicht sagen, dass oder wie oder so. Aber ich vermisse die Möglichkeiten. Die Akzeptanz war hoch, auch wenn ich das erst im Abstand sehen kann. In Maastricht habe ich nicht verstanden, dass man über die Tatsache "Tony trägt ein Kleid, ist aber ein ganz normaler Junge" diskutieren muss. Jetzt denke ich, es war ja doch irgendwie okay, selbst für die, die nachgefragt haben und verwirrt waren. Manche fanden es auch nicht gut, aber es war okay dass Tony sich so verhalten hat (und wahrscheinlich immer noch verhält). Ideen konnten ausgesprochen werden. Auch wieder verworfen, kritisiert, aber die Freiheit sie zu haben und auszuprobieren, die war da. Und das vermisse ich. Irgendwie. In UWC war immer dieser Hintergedanke von "vielleicht weiß ich gerade nur zu wenig um zu verstehn" bzw. "es wird schon einen Grund geben", schlicht eine Portion Offenheit mit Empathie und Neugier. Der Mut, anderen zu unterstellen, dass sie nicht böse sind, nur anders. Der Mut sich selber an zu sehen und zu sagen, für den anderen bin ICH anders, zu reflektieren und vielleicht zu merken, wo man selber auch Schwächen im Charakter hat.

Ganz speziell vermisse ich, das "Zimmer-teilen" und "Zusammen-wohnen", die Nähe, die Selbstverständlichkeit.

Und immer wieder sehe ich Menschen auf der Straße, wildfremde, und glaube jemanden aus Maastricht zu sehen. Das Herz macht einen Sprung und obwohl ich weiß, dass mir das Leben einen Streich spielt bin ich enttäuscht, wenn besagte Menschen sich umdrehen, was tun was die Person nie getan hätte etc. Ich sehe Bücher (the colour purple) und denke an Freunde (Martine) oder höre Lieder (marry her anyways) und denke an andere "Maastrichter" (Jem).


Aber neben all dem Vermissen gibt es die Momente in denen jemand auf Facebook eine Nachricht schreibt und die Textblase eine eins anzeigt oder das blaue Feld aufploppt. Wenn ich eine E-Mail bekomme oder auf dem Lampoon einen Text lese. Die Momente, in denen ich (obwohl ich das sonst hasse!) sofort zum Handy greifen und x eine Nachricht schreiben muss, weil ich irgendetwas gesehen/gehört/gedacht habe, das ich teilen muss.


Außerdem ist da noch der Orga-kram für China... Also mehr als genug zu tun.

Ich habe zu meiner großen Freude auch einen der "Zeros" für Maastricht kennen lernen dürfen: Leander. Ein freundlicher, witziger und großer (!) junger Mann, der ab nächstem Schuljahr in Maastricht mitmischen wird. Ein bisschen Schade, dass ich nicht mehr mit dabei sein werde, aber ich bin froh, dass Leander nach Maastricht geht, so zu sagen als "würdiger Nachfolger" ;)



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