Der erste Schlüssel - Ich

 

Bevor ich ans UWC kam war ich eine gute Schülerin, akademisch und sozial interessiert, in vielen Projekten in der Schule und außerhalb engagiert. Philosophisch veranlagt, mit einem besonderen Interesse für Religion und Glauben. Kurzum, eine Person, der die Stiftung einen Platz am UWC anbot. Wenn ich heute, nach meinen drei Jahren UWC, zurückblicke sehe ich aber auch, mehr noch als damals, ein anderes Mädchen. Ein betont Selbstbewusstes und Selbstständiges Kind, das, weil es kann, seine Unsicherheit mit Leistung und Erfolgen zu überbrücken sucht. Ein Kind, das im Eigentlichen nicht weiß, wer es ist.

 

UWC hat mir die Schlüssel zu der Tür zu mir selber gegeben. Und mein ganzes erstes Jahr über habe ich nur wie erstarrt diesen Schlüssel in der Hand gewogen. Habe um die Erkenntnis gerungen, dass es diese Tür und, wie ich jetzt ahnen kann, auch die Welten dahinter gibt. Ich dachte, UWC wird mich wie von selber von allem befreien, was ich hinter mir lassen wollte. Mein erstes Jahr brauchte ich, um ein zu sehen, dass ich nicht vor mir oder meiner Vergangenheit davon laufen kann und zu akzeptieren, dass der Weg der vor mir liegt kein passiver, sondern ein aktiver ist.

 

In meinem zweiten Jahr habe ich dann, ob bewusst oder nicht kann ich nicht sagen, die Büchse der Pandora ganz auf gemacht. Ich habe den Schlüssel ins Schloss gesteckt, um gedreht und die Tür geöffnet. Und wurde zunächst überflutet, wie wohl jeder, der die Tür zu einer Rumpelkammer öffnet in die er zuvor noch nie wirklich rein geschaut hat. Mein zweites Jahr wurde ein Jahr der Extreme. Ich habe es geschafft Verbindungen mit Menschen ein zu gehen auf einem Niveau, das mir vorher unmöglich war. Ich habe eine Gemeinschaft erfahren, die mich getragen und gehalten hat, in der Ich gesehen und akzeptiert wurde, in der ich willkommen war. Aber ich war auch überfordert mit dem, was da aus der Rumpelkammer gekrochen kam. Und habe genauso wie tiefes Verständnis großes Unverständnis erleben müssen.

 

Mein drittes Jahr schließlich war das vielleicht wichtigste. Inzwischen mit meinem Gerümpel mehr oder weniger vertraut und den Schrecken in der Kammer selber halbwegs gewachsen wagte ich mich immer weiter zu mir vor. Und habe eine Welt gefunden, die nur mir gehört, die ich aufräumen und gestalten muss, die ich erkunden kann. Ich kann nicht sagen, dass ich sie jetzt schon kennen würde und ich bin mir sicher, dass auch noch die ein oder anderen Schrecken in ihr schlummern und doch gefällt sie mir. Und ich bin UWC unendlich dankbar dafür mir den Schlüssel zu ihr in die Hand gedrückt zu haben.

 

Der zweite Schlüssel - die Welt

 

UWC war wie ein Märchenbuch voller Geschichten, Weisheiten und Ideen. Mit so vielen Menschen aus so vielen Ländern, mit so vielen Erlebnissen und Erfahrungen ist es eigentlich kaum vermeidbar, dass man auf etwas trift, das einem die ganze Weltsicht durcheinander bringt. UWC nimmt deine Welt wie einen schlappen Luftballon und bläst Luft rein, macht sie größer, runder, fragiler und gleichzeitig stabiler.

 

Ich kam zu UWC als jemand mit vielen und lauten Meinungen und ich verlasse UWC mit einer gewissen Vorsicht und Offenheit. Es liegt in der Natur des Menschen sich Meinungen zu bilden, aber wir können entscheiden, wie wir mit diesen Meinungen umgehen. Was ich am UWC gelernt habe, ist, zu erkennen, wann mir keine Meinung zu steht, zumindest nicht ausgesprochen. Ich habe gelernt achtsam zu sein und meine Meinungen als möglicherweise unvollständig oder gar falsch an zu sehen. Es gibt Meinungen, die ich nach wie vor vertrete, ich bin nicht komplett passiv geworden, aber ich kann mir der Grenzen meines Wissens bewusst sein, während ich für das kämpfe, was ich für richtig halte.

 

UWC hat mir beigebracht mit Menschen auf eine neue Art zu kommunizieren. Zugang zu ihrer Welt zu suchen und gleichzeitig meine eigene Wirklichkeit nicht zu verriegeln sondern zugänglich zu machen. Nicht zu werten, sondern zu versuchen zu verstehen.

 

Ich habe so viel Wissen, so viele Sichtweisen von UWC mit genommen. Bin sensibler geworden Konflikten gegenüber, die ich vorher nicht wahr nahm.

 

der dritte Schlüssel - Gott

 

Das eher atheistische Umfeld am UWC hat mich letztendlich auch in meinem Glauben wachsen lassen. Ich bin von meinem intellektualisierten Glauben hin zu einem lebensnahen, praktischen Glauben. Ich bin aus der Gemeinschaft ganz neu in die Gemeinschaft der Glaubenden hinein gewachsen. UWC mit all seinen Erfahrungen hat mir nochmal neu den Glauben geschenkt.